Die meisten Biobauern Oberösterreichs gibt es auf der Mühlviertler Alm, und Josef Thauerböck ist einer von ihnen. Er baut jenen Dinkel an, aus dem die Honeder Naturbackstube ihr feines Brot und Gebäck macht.

Josef Thauerboeck Liegend

Wenn man Josef Thauerböck da so liegen sieht, im blauen Unterleiberl auf rotem Tuch, die Oberarme muskulös von der Feldarbeit, dann könnte man meinen: Dieser Mann sieht sehr entspannt aus! Da lacht er, der Dinkelbauer, und sagt: „Ja, ich glaub schon, dass wir es gut haben. Wir haben auf unserem Hof alles, was wir brauchen, wir essen unsere guten Produkte. Stress haben wir keinen.” Arbeiten tut Thauerböck, der einer der Dinkelkreis-Bauern der Honeder Naturbackstube ist, natürlich trotzdem von früh bis spät. 18 Hektar Nutzgrund fürs Getreide plus acht Hektar Wald wollen bewirtschaftet werden. Aber eben mit Freude: „Ich arbeite das ganze Jahr draußen mit der Natur und in der Natur. Das ist das Schöne an meinem Beruf.“ Aufgewachsen auf dem elterlichen Bauernhof, hatte der Landwirt seinen Betrieb in Kaltenberg 1992 auf Bio umgestellt.

Die Rohstoffe der Region nutzt er auch als Schnapsbrenner: Früchte, Beeren, Kräuter, Zapfen, Wipfel und Roggen werden in der hofeignen Brennerei zu vielfach ausgezeichneten Bio-Edelbränden, -Whisky, -Gin und -Likören veredelt. Vor sechs Jahren gab er den Biohof Thauerböck an die nächste Generation weiter. Doch er bewirtschaftet den Hof nach wie vor gemeinsam mit Frau, Sohn und Schwiegertochter. „Es geht nur miteinander, wie bei einer Ehe.“ Als eine Art Ehe kann man sich auch den Dinkelkreis vorstellen, dem sein Biohof angehört: 2005 hat die Honeder Naturbackstube mit 20 Biobauern der Region diese Erzeugergemeinschaft ins Leben gerufen. Und seitdem produzieren sie für Honeder Dinkel in bester Bio-Qualität.

„Ich arbeite das ganze Jahr draußen mit der Natur und in der Natur.“

Thauerboeck Vorschaubild Muehlviertel Landschaft Quer 13 A Thauerboeck2

„Damals war es richtige Pionierarbeit, Dinkel anzubauen“, erinnert sich Thauerböck. Zwar wächst das genügsame Urgetreide – anders als Weizen – auch in höheren Lagen, so wie in Kaltenberg auf 900 Metern. Doch ein bisserl heikel ist das Urgetreide, wenn es reif ist: Zu lange warten darf man nicht, denn Regen lässt sofort die gesamte Ernte verderben. Im Vergleich zu Weizen ist Dinkel zudem weniger ertragreich. „Aber weniger ist oft mehr“, sagt Thauerböck. „Uns kommt es auf die Qualität an!“ Er selbst hatte 2005 noch keinen Dinkel auf den Feldern stehen. Doch als Reinhard Honeder ihn fragte, ob er nicht beim Dinkelkreis mittun wollte, sagte er Ja. „Das passte zu uns. Und dass uns jemand in der Region den Bio-Dinkel abnimmt, ist gut! Somit hat das Getreide kurze Verkehrswege, es wird hier verarbeitet, und es wird hier gegessen. Das ist mir schon wichtig – und immer mehr Leuten auch.“

Die Renaissance von Dinkel ist seit einigen Jahren zu beobachten. Endlich, sollte man meinen. Schließlich stecken in dem Urgetreide gut 8.000 Jahre Geschichte: Die alten Ägypter und die Kelten bauten es schon an, mit den Völkerwanderungen kam er zu uns. Und schon im 12. Jahrhundert wusste Hildegard von Bingen um seine Vorteile: „Der Dinkel ist das beste Getreide, es ist warm, nährend und kräftig.“ Tatsächlich steckt in dem Urkorn, anders als bei Weizen, viel Zink und Magnesium; dazu hochwertige Fette, Eiweiß und wertvolle Ballaststoffe. Dinkelbauer Thauerböck schätzt das nussig-milde Aroma ebenso wie dessen Vielseitigkeit: bei ihm daheim stellen sie Dinkelgrieß her, schleifen das Korn zu Dinkelreis und produzieren neuerdings sogar Dinkelschnaps. „Dinkel ist einfach etwas Gutes. Und gesund!“

„Damals war es richtige Pionierarbeit, Dinkel anzubauen.“


Text: Mareike Steger / Fotografie: Robert Maybach